Blattgoldherstellung

Goldschläger
ein Handwerk mit 5000-jähriger Geschichte

Das Goldschlägerhandwerk kann auf über 5000 Jahre Geschichte zurückblicken. Sein Ursprungsland ist Indien. Im Laufe der Jahrtausende ist es über den Vorderen Orient nach Ägypten, Griechenland, Jugoslawien nach Mitteleuropa vorgedrungen. Zunächst wurde das Goldschlägerhandwerk in Klöstern ausgeübt. Ende des 14. Jahrhunderts übernahmen weltliche Handwerker die Herstellung von Blattgold.

Das Goldschlägerhandwerk kam Ende des 15. Jahrhunderts nach Mitteleuropa. Für die Herstellung von hochwertigem Blattgold ist für den Betrieb ein Standort mit geringer Luftfeuchtigkeit von Vorteil.

Mitte des 19. Jahrhunderts war, bis zu Beginn des 1. Weltkrieges der Höhepunkt für die Goldschlägerei in Mitteleuropa, mit Betrieben im Raum Nürnberg, Wien, Prag und Budapest.

Hauptrohstoffe, die in der Goldschlägerei Verwendung finden, sind Gold, Silber und Kupfer, auch Platin wegen der besseren Witterungsbeständigkeit. Durch die Zusätze von Silber und Kupfer erhält reines Gold verschiedene Farbtöne. Je mehr Silber, desto heller - je mehr Kupfer, desto dunkler wird die Tönung.

Die Hauptfarben des Blattgoldes sind:

Weißgold 8-14 Karat
Grüngold 15-16,7 Karat
Zitrongold 18-19,7 Karat
Gelbgold 20-22 Karat
Orangegold 22-22 ¾ Karat
Dukatengold 23 Karat, sowie alle Blattgoldsorten zwischen 23 und 24 Karat. Auch reines Gold - Feingold wird zu Blattgold geschlagen.

Zur Herstellung von 1500 Blatt Blattgold benötigt man ca. 100 Gramm Schmelzmaterial. Die Zusätze müssen genauestens abgewogen werden. Nach dem Wiegen wird die Legierung in einem Graphitschmelztiegel bei einer Temperatur von 1000 - 1250 Grad Celsius im Schmelzofen mit Koks oder Gas-Luft-Gemisch geschmolzen. Der Schmelzvorgang dauert je nach Menge bis zu einer Stunde. Das flüssige Schmelzgut wird dann zu einem Barren oder "Zain" ausgegossen.

Der erkaltete Barren wird 2-3 mal durch ein Stahlwalzwerk geschickt. Beim Walzen wird das Goldband durch den großen Druck sehr spröde. Es muß daher nach jedem Walzzug mit Holzkohle- oder Gasfeuer im Glühofen bei ca. 800 Grad weichgeglüht werden. Beim letzten Glühen muß es dann luftdicht abgedeckt werden, damit das Gold einen klaren, hellen Glanz und die größte Weichheit zur weiteren Verarbeitung bekommt. Das Goldband hat dann eine Dicke von 3/100 mm.
1000 g Schmelzgut ergeben ein ca. 4 cm breites und 65 m langes Goldband. Davon werden dann gleichschwere "Längen" abgewogen und geschnitten. eine Länge wird 6 mal zusammengelegt und ergibt 64 gleich große Teile, in der Fachsprache "Quartiere" genannt.

Für die Schlagarbeit müssen Grob- und Dünnschlagformen vorbereitet werden. Auf die speziellen Bezeichnungen kommen wir bei den entsprechenden Arbeitsgängen zurück.

Der "Braun" ist ein spezieller Fasergips, seine offizielle Bezeichnung ist "Marienglas" oder "Wiener Kalk". In der Goldschlägerei wird er mit Seife präpariert. Seife und Wasser werden zu Lauge gekocht, zu Schaum geschlagen und unter den "Braun" gehoben. Der so präparierte "Braun" wird getrocknet und fein gesiebt. Er ist dann fertig zum "Bräunen" aller Formen. Das "Bräunen" mit der Hasenpfote hat den Zweck, alle Formen von alten Gold- und Braunresten zu reinigen. Diese Tätigkeit wird heutzutage bereits teilweise durch eine computergesteuerte Maschine erstetzt. Außerdem entsteht eine Isolierschicht zwischen Blattgold und Folmblättern (Häutchen) zur Vermeidung von Ankleben und Zerstörung des Goldblattes und bewirkt die schnellere Ausdehnung desselben.

Nach dem "Bräunen" müssen alle Formen getrocknet werden. Dies geschieht zwischen zwei Heizplatten. Durch das "Pressen" "hebt" sich die Feuchtigkeit und durch Ausblasen mit einem Gebläse wird Feuchtigkeit und überflüssiger Braun aus den Formen entfernt.

Die Goldquartiere werden in die sogenannte "Quetsche" mit einer Handzange aus Ebenholz eingefüllt. Die "Quetsche" besteht aus Montgolfier - Papier und wird aus Lederabfällen in Frankreich hergestellt.

Die eingefüllte Quetsche (ca. 500 Blatt) wird in einen Kreuzband aus Leder gesteckt und unter dem elektrischen Federhammer in 10-20 Minuten von der Goldblattgröße 40 x 40 mm zur Größe von 120 x 120 mm geschlagen. Die Dicke des Goldblattes beträgt nun ca. 1/170 mm. die Goldblätter werden nun von der Goldzurichterin mit der Handzange zu je 30 Blatt aufeinandergelegt. Diese "Risse" werden geviertelt und in die "Lotform" für den zweiten Schlagvorgang wieder mit der Handzange eingefüllt.

Die "Lotform" besteht aus Pergaminpapier, das ist ein sehr reißfester Pergamentersatz. Die Lotform (ca. 1600 Blatt) wird ebenfalls in einen Kreuzband aus Leder gesteckt und unter dem elektrischen Federhammer in 20 - 45 Minuten von der Blattgröße 60 x 60 mm zur Lotgröße von 140 x 140 mm geschlagen. Stärke: ca. 1/900 mm. Die geschlagenen Goldblätter werden wieder von der Goldzurichterin ausgelegt, diesmal allerdings 100 Blatt aufeinander. Diese "Risse" werden ein weiteres mal geviertelt und für die Dünnschlagarbeit des Handschlägers vorbereitet.

Es wird nun die "Dünnschlagform" eingefüllt. (ca. 2000 Blatt). Sie besteht jetzt aus Kunststoff-Folie, und wurde früher aus der Außenhaut des Blinddarms vom Rind hergestellt. Um eine Form erster Qualität herstellen zu können, brauchte man den Blinddarm von 2800 Rindern, außerdem war die Geruchsbelästigung bei der Herstellung mehr als unangenehm. So ist man mit der Zeit auf Kunststoff ausgewichen.

Für die Schlagarbeit an der "Dünnschlagform" benötigt der Goldschläger verschiedene, abgerundete Spezialhämmer: "Anschlaghammer" 7 ½ kg - "Spitzchen" 1 ½ kg - "Setzhammer" 2 ½ kg -
1. "Ausschlaghammer" 5 ½ kg - 2. "Ausschlaghammer" 9 kg - "Fertigmacher" 12 ½ kg.

Für die Schlagarbeit mit der Hand benötigt der Goldschläger, je nach Blattgoldart und -größe, zwischen 2 und 6 Stunden. Der Goldschläger macht pro Form im Durchschnitt ca. 5000 Schläge mit der Hand. Ein Schlagabschnitt hat die Berufsbezeichnung "Busen". Nach jedem "Busen" muß die Form über die "Zipfel" (4 Ecken) gerieben werden. Durch das "Reiben" wird die Schlagwärme verteilt und gleichzeitig dehnt sich das Blattgold leichter aus, wird glatt und klebt nicht an. Nach jedem "Busen" mit dem Anschlaghammer und 3 "Busen" mit den anderen Hämmern muß die Form außer dem "Reiben" auch eingewechselt werden. Durch das Einwechseln werden die 2 Teile (Hälften) der Form gegenseitig ausgetauscht. Auch dieser Arbeitsvorgang wird heutzutage durch automatische Schlaghämmer mit vorwählbaren Programmen unterstützt.

Nach dem "Fertig- oder Garmachen" hat das geschlagene Blattgold eine Dicke von 1/8000 bis 1/12000 mm, je nach Bestellung des Kunden. 1000 Blatt ergeben bei 65 x 65 mm eine Fläche von 4,225 m2 oder bei 80 x 80 mm 6,4 m2 - Materialverbrauch: 10 - 20 g Gold je nach Legierung und Größe.

Es folgt nun der letzte Arbeitsgang, das "Beschneiden". Die Goldbeschneiderin nimmt mit der Handzange aus Ebenholz die Goldblätter einzeln aus der Form und bläst sie auf ihr "Kissen" (Holzbrett mit Ziegenleder überzogen und Wattefüllung) und schneidet mit dem "Beschneidkarren" (verstellbares Doppelmesser) die Goldblätter in die bestellte Blattgoldgröße.

Das fertige Blattgold wird in Seidenpapierheftchen zu 25 Blatt geschnitten und als Buch bestehend aus 10 Heftchen an Kunden in aller Welt verkauft.

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